Stangerode im Harz
Stangerode im Harz

Gangloff

Der bekannte Wilderer des Harzes

Gangloff

Johann Gottfried Wilhelm Gangloff, geboren am 23. Mai 1794 in Hohlstedt, von Beruf Leineweber, war der bekannteste Wilderer des Harzes. Er muss wohl eine imposante Gestalt gewesen sein: Über zwei Meter groß und kräftig. Obwohl er für vogelfrei erklärt wurde und auf ihn eine Belohnung ausgesetzt war, gingen ihm alle aus dem Wege. Ob Förster, Gendarm oder Landmann, alle fürchteten seinen Mut und seine Treffsicherheit. Einst soll er sogar einem Förster, der glaubte Gangloff überwältigen zu können, aus weiter Entfernung das Gewehr aus der Hand geschossen haben. Gangloff begegnete seinen Verfolgern aber nicht nur mit seinem Gewehr, sondern vor allem mit einer gewitzten Schläue, die ihm dazu verhalf, die Obrigkeit immer wieder an der Nase herumzuführen und auf Dauer auch lächerlich zu machen. Kurz gesagt: Gangloff hatte die Lacher stets auf seiner Seite, wenn er den Ermittlungsbehörden wieder einmal entwischt war. Auf diese Weise wurde er bei den Bewohnern des Harzes immer beliebter, während ihn die Obrigkeit immer mehr hasste und um so verbissener verfolgte. Fragen Sie heute die Leute im Kaufmarkt wer Gangloff war, werden Sie diese Beliebtheit Gangloffs unter der Bevölkerung des Eintals noch immer verspüren. Wenn sie einen Polizisten fragen, werden sie vielleicht noch die Antwort bekommen, dass Gangloff, der heimtückische Wilderer, glücklicherweise am 10. Juni 1837 auf dem Kuhberg im Einetal zwischen Stangerode und der Leinemühle gefasst werden konnte und in den Händen des Gesetzes am 9. November 1837 im Gefängnis von Sangerhausen verstarb.

 

Bei seinen Streifzügen durch den Harz soll Gangloff Stiefel getragen haben, welche die Absätze vorn und die Spitzen hinten hatten. So suchte man ihn zu Hause, wenn er im Wald war und suchte ihn im Wald, wenn er gemütlich zu Hause saß. Seine Beute, darunter auch große Hirsche, soll er zum Verkauf allein mehrere Stunden bis nach Eisleben hinein getragen haben. Berittenen Gendarmen, die ihn einmal dabei erkannten, konnte er auf einem nur ihm bekannten Schleichweg entkommen. In eineinhalb Stunden erreichte er seinen von Eisleben etwa 20 km entfernten Wohnort Sylda. Noch vor den berittenen Gendarmen dort angekommen, nahm sich Gangloff einen Spaten und ging auf seinen Acker. Als nun auch die Gendarmen angekommen waren, trauten sie ihren Augen nicht, Gangloff so in seine Feldarbeit vertieft wieder zu finden. Sie glauben sich getäuscht zu haben und zogen völlig verwirrt und unverrichteter Dinge wieder ab. Selbst eine ganze Schwadron Husaren, die man eigens zu seiner Ergreifung aus Aschersleben angefordert hatte, konnte ihn nicht fassen. Von den Tricks, Schleichwegen und Täuschungsmanövern zur Verzweiflung gebracht, warfen auch die Husaren die Flinte buchstäblich ins Korn und gingen, ohne Gangloff auch nur ein Haar gekrümmt zu haben, nach Aschersleben zurück. Dieses „schneidige Husarenstückchen“ wurde später auf Pfeifenköpfen verewigt, in dem man darauf eine Husarenschwadron abbildete unter der zu lesen war: „Auch in Sylda gewesen und Gangloff nicht gesehen!“. Bedauerlicherweise fiel die Mehrzahl dieser Pfeifenköpfe dem damals noch kaum ausgeprägten Verständnis für Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit zum Opfer. 

 

Gangloff war sehr selbstsicher. Als eine große Rehbockjagd angesagt war, mischte er sich unerkannt unter die Jäger. Nachdem die Jäger die Beute zusammengetragen hatten, kam unter ihnen ein heftiger Streit darüber auf, wer wohl die meisten Böcke geschossen hätte. Gangloff hörte sich den Streit einige Zeit an, bis ihm das Jägerlatein endlich zu viel wurde. Gangloff trat aus seinem sichern Versteck mitten in den Kreis Jäger, die vor Schreck erstarrten und augenblicklich aufhörten zu streiten. „Meine Herren“, begann Gangloff zu sprechen, „alle Böcke, die durchs Auge geschossen sind, hat meine Kugel niedergestreckt. Wie Sie wohl wissen werden, bin ich Gangloff!“ Verbeugte sich und verschwand, so unerwartet wie er gekommen war, im Wald. Nachdem sich die Jäger wieder gefasst hatten, stellten sie fest, dass von allen Böcken, die vor ihnen lagen, nur zwei nicht durch das Auge getroffen waren und ihnen ausschließlich Gangloff mit seiner Treffgenauigkeit eine so reichhaltige Beute beschert hatte.



Anderen Überlieferungen zu Folge soll Gangloff nicht allein, sondern mit seinen Webergenossen auf die Jagd gegangen sein. Gejagt wurde aber nur dann, wenn die Not groß und die Vorräte an Lebensmitteln aufgebraucht waren.

 

Vielleicht wurde Gangloff am Ende zu leichtsinnig und übermütig. Am 10. Juni 1837 wurde Gangloff von dem jungen Revierjäger Siebert aus Pansfelde angeschossen und festgenommen.

Stangerode Erholungsort im Harz

Stangerode Ortsmitte

Stangerode gehört seit 2010 zur Stadt Arnstein. Der Ort hat ca. 350 Einwohner und liegt 203 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund seiner Lage und ausgezeichneten Luft ist Stangerode staatlich anerkannter Erholungsort. Stangerode steht aufgrund seiner Ursprünglichkreit und Naturnähe für "Sanften Tourismus". 

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