Stangerode im Harz
Stangerode im Harz

Die Sage vom Kuttenzins

Der Mordstein

Mordstein

 Ein des Zölibats offensichtlich überdrüssiger Mönch namens Marcus hatte einst die Aufgabe, für das Kloster Konradsburg Zinsen und Gefälle einzutreiben. Darüber hinaus beaufsichtigte und verwaltete er die Wälder und Außenhöfe des Klosters, kurz: Bruder Marcus war ein viel beschäftigter Mann, der oft auf Reisen war und viele Leute kannte. So blieb Bruder Marcus auch nicht verborgen, dass der Stangeröder Hartung regelmäßig nach Halle fuhr, um dort seine Handelsgeschäfte zu treiben. Halle war zu dieser Zeit noch eine ganze Tagesreise entfernt, so dass Hartung nicht umhin kam, Haus, Hof und seine schöne junge Frau auch über Nacht allein zu lassen. Der ehrsame Mönch war der jungen Frau in den vielen einsamen Stunden daher oft ein willkommener Gast. Um unnützen Gerede im Dorf von vornherein aus dem Wege zu gehen, besuchte Marcus die junge Frau meist zur Nachtzeit. Hartungs Haus stand dicht am Wald. Ob er unerkannt bleiben wollte oder aus einem Fetisch heraus, hüllte sich Bruder Marcus in ein weißes Laken und schlich aus dem heute noch Mönchsholz genannten Wald zu Hartungs Haus. Im Garten angelangt, machte er sich durch Blöken bei der Trostsuchenden bemerkbar. Zunächst schien den Nachbarn die gespenstische Erscheinung eines Hundes oder Esels als nächst liegenste Erklärung für ihre nächtlichen Beobachtungen. Als sich die Geistererscheinungen jedoch häuften und zufällig immer dann auftraten, wenn Frau Hartung allein war, kamen sie dem Treiben auf die Schliche und erzählten dem alten Hartung von ihrem Verdacht. Hartung wollte dem Gerede zunächst keinen Glauben schenken, beschloss dann aber dem Gerücht nachzugehen. An einem Tag im November verabschiedete er sich wie immer von seiner Frau, um nach Halle zu fahren. Vor morgen Abend sei er nicht wieder zurück, gab er ihr zu verstehen. Er fuhr bis Walbeck, wo er sein Gespann abstellte und gegen Abend unbemerkt nach Stangerode zurückkehrte. Dort warteten bereits seine Freunde in dem vereinbarten Versteck auf ihn. Gemeinsam legten sie sich auf die Lauer. Gegen Mitternacht hörten sie im Wald ein Blöken, das sich dem Haus näherte. Ein paar Augenblicke später entdeckten sie an der Gartenmauer das seltsam in weiß eingehüllte mehrfach leise aber nicht überhörbare blökende Wesen. Da hörten sie von Hartungs Haus her ein leises Bellen, das verabredete Zeichen. Der alte Hartung erkannte in dem Gebell die Stimme seiner Frau. Die Gartentür öffnete sich und das weiße Wesen verschwand in Hartungs Haus. Nach einer Weile folgten die Stangeröder und entdeckten das Paar. Der alte Hartung war entsetzt. Nicht nur, dass seine junge Frau die Ehe brach, nein auch noch mit dem ohnehin nicht besonders beliebten Zinseintreiber von der Konradsburg. Bei diesem Anblick konnten die Stangeröder nicht länger an sich halten. Blind vor Wut und voller Zorn zerrten sie den Mönch aus dem Haus. Der Mönch versuchte zu entkommen, riss sich los und rannte laut um Hilfe schreiend durch das Dorf. Keiner half ihm. Dort wo die Leine in Eine fließt ergriffen und erschlugen sie ihn mit einer Axt. Eilig begruben sie Bruder Marcus mit seiner Kutte bekleidet unter einem Nussbaum in der nähe des Dorfes.

Linden neben dem Mordstein

Alle Ermittlungen der Klosterbrüder, das Tötungsdelikt aufzuklären, verliefen erfolglos. Kein Stangeröder gab an, etwas gehört oder gesehen zu haben. Das ganze Dorf zitterte vor der Rache der Klosterherren. Zunächst schien es so als würde die Tat nicht aufgedeckt. Bruder Marcus galt als vermisst. Alle Bemühungen der Mönche des Klosters Konradsburg, ihren vermissten Bruder zu finden, scheiterten. Bruder Marcus war spurlos verschwunden. Die Suche wurde beendet.
Doch etwa ein Jahr nach der Tat hörten die Stangeröder um Mitternacht im Mönchsholz wieder ein Blöken. Die Nachbarn waren davon überzeugt, dass es sich nur um die gespenstische Erscheinung des getöteten Mönches handeln konnte. Aus Furcht vor der grausamen Rache des Geistes verkrochen sie sich in ihren Häusern und keiner wagte es, dem Spuk nachzugehen.
Bald erfuhren auch die Mönche der Konradsburg von dem Spuk. Da sie Gespenster nicht duldeten und sich auch ihnen ein Zusammenhang zwischen dem Spuk und dem Verschwinden ihres Bruders aufdrängte, kamen der Abt und alle Mönche an einem 20. Dezember, dem Thomastage, mit einer Wünschelrute ausgerüstet nach Stangerode. Sie suchten den Geist überall im Dorfe und im Wald. Als die Suche sie endlich zu dem Nussbaum führte, schlug die Rute aus. „Hier grabt! Hier liegt der Mönch!“- soll der Abt ausgerufen haben. Unter dem Baum fanden sie die Leiche ihres Bruders Marcus mit seiner Kutte bekleidet und eine Axt. Zur Sühne wurden den Stangerödern in einem Sühnevertrag die Zahlung des so genannten Kuttenzinses und die Errichtung eines Sühnekreuzes auferlegt. Jedes Jahr zum Thomastage musste für jedes der dreizehn Häuser von Stangerode ein silberner Pfennig an das Kloster gezahlt werden. Noch bis zum Jahr 1803 brachten die Stangeröder den Kuttenzins in einer feierlichen Bußprozession am Thomastag zur Konradsburg. Für jede versäumte Minute nach Sonnenaufgang musste eine Tonne Heringe gezahlt werden. Das Sühnekreuz errichteten die Stangeröder wo die Leine in die Eine fließt. Dort liegen die Teile des schon vor vielen Jahren zerbrochenen Sühnekreuzes noch heute zwischen zwei Linden. Den nach den vielen Jahrhunderten nicht mehr als Kreuz erkennbaren Stein nennen die Stangeröder heute den „Mordstein“ oder die "Mönchskutte".

Stangerode Erholungsort im Harz

Stangerode Ortsmitte

Stangerode gehört seit 2010 zur Stadt Arnstein. Der Ort hat ca. 350 Einwohner und liegt 203 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund seiner Lage und ausgezeichneten Luft ist Stangerode staatlich anerkannter Erholungsort. Stangerode steht aufgrund seiner Ursprünglichkreit und Naturnähe für "Sanften Tourismus". 

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